
Wasser und Geschlechtergerechtigkeit: Warum Zugang zu Wasser Frauen stärkt
Meike Lenzen
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16. März 2026

In vielen Regionen der Welt sind es vor allem weibliche Familienmitglieder, die für das Wasserholen zuständig sind. In etwa sieben von zehn Haushalten ohne Hausanschluss übernehmen Frauen und Mädchen diese Aufgabe häufiger als Männer und Jungen. Oft müssen sie dafür stundenlang Wasser aus weit entfernten Quellen holen, was sich negativ auf Familienleben, Arbeit und Bildung auswirkt.
Weltweit summiert sich der Zeitaufwand für das Wasserholen auf schätzungsweise rund 200 Millionen Stunden täglich. Den Großteil dieser Arbeit leisten Frauen und Mädchen – Zeit, die sonst für Bildung, Erwerbsarbeit oder andere wichtige Aufgaben zur Verfügung stehen könnte. Gleichzeitig sind sie durch das Tragen schwerer Wasserbehälter häufig erheblichen körperlichen Belastungen ausgesetzt.
Die Folgen gehen jedoch über zeitliche und körperliche Belastungen hinaus. Ohne sicheren und nahegelegenen Zugang zu Wasser und Sanitäranlagen sind Frauen und Mädchen oft gezwungen, unsichere sanitäre Orte aufzusuchen. Besonders nachts erhöht sich beim Gang zu entfernten Wasserstellen oder gemeinschaftlichen Toiletten das Risiko für Belästigungen, Gewalt und andere Übergriffe.
Auch die hygienischen Bedürfnisse von Frauen und Mädchen sind spezifisch. Für eine angemessene Menstruationshygiene werden saubere und geschützte Räume, Zugang zu Wasser sowie Möglichkeiten zur Entsorgung von Hygieneprodukten benötigt. In vielen Schulen und Gemeinden fehlen jedoch geschlechtersensible Sanitäranlagen, wodurch Mädchen während ihrer Periode häufiger dem Unterricht fernbleiben oder teilweise ganz aus dem Schulsystem ausscheiden.
Der eingeschränkte Zugang zu Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) beeinträchtigt Gesundheit, Bildungschancen und Gleichberechtigung erheblich. Deshalb ist ein Gender-Fokus bei der Planung und Umsetzung von WASH-Lösungen wichtig. Maßnahmen müssen unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen und Frauen sowie Mädchen aktiv in Planungs- und Entscheidungsprozesse einbeziehen.
Die Dimension der Herausforderung bleibt groß: Weltweit haben noch rund 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, und etwa 3,5 Milliarden Menschen leben ohne sichere Sanitärversorgung. Von diesen Defiziten sind Frauen und Mädchen besonders stark betroffen.