Die Welt lebt über ihre Wasserverhältnisse

5. Februar 2026

Wasser galt lange als erneuerbare Ressource. Zwar regional begrenzt, aber im globalen Maßstab vermeintlich stabil. Ein aktueller Bericht der Vereinten Nationen stellt dieses Verständnis grundlegend infrage. Die Welt, so die zentrale Aussage, ist in eine neue Phase eingetreten: Viele Süßwasserreserven sind bereits so stark übernutzt, dass sie sich selbst unter besseren klimatischen Bedingungen nicht mehr erholen können. Die Wissenschaft spricht erstmals von einem „globalen Wasserbankrott“.

Gemeint ist damit kein vorübergehender Engpass, keine Dürreperiode, die sich mit dem nächsten regenreichen Jahr ausgleichen ließe. Vielmehr beschreibt der Begriff einen strukturellen Zustand: Grundwasserleiter, Seen, Feuchtgebiete und Gletscher wurden über Jahrzehnte stärker beansprucht, als sie sich regenerieren konnten. In zahlreichen Regionen ist das natürliche Wasserkapital aufgebraucht.

Die Tagesschau verweist in ihrer Berichterstattung auf schrumpfende Seen, sinkende Grundwasserspiegel und zerstörte Feuchtgebiete – Entwicklungen, die nicht allein auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Selbst wenn sich Temperaturanstieg und Extremwetter abschwächen würden, blieben viele Schäden bestehen. Wasser, das über Generationen gespeichert wurde, ist vielerorts unwiederbringlich verloren.

Besonders deutlich zeigen sich die Folgen in der Landwirtschaft. Sie verbraucht weltweit den größten Anteil an Süßwasser und ist gleichzeitig hochgradig abhängig von stabilen Wasserverfügbarkeiten. Der Spiegel beschreibt diese Situation als eine Art „Wasserschuldenfalle“: Um Erträge zu sichern, wird weiter Wasser entnommen – oft aus Grundwasserspeichern, die sich kaum noch auffüllen. Kurzfristige Produktivität wird damit gegen langfristige Versorgungssicherheit eingetauscht.

Diese Dynamik bleibt nicht ohne gesellschaftliche Konsequenzen. Wasserknappheit verschärft soziale Ungleichheiten, bedroht Ernährungssysteme und erhöht das Konfliktpotenzial – sowohl innerhalb von Staaten als auch grenzüberschreitend. Städte wachsen, Industrie und Energieproduktion konkurrieren um dieselbe Ressource, während natürliche Ökosysteme zunehmend unter Druck geraten.

Die Vereinten Nationen betonen deshalb, dass es nicht mehr ausreicht, Wasserkrisen lediglich zu managen. Erforderlich ist ein grundlegender Wandel im Umgang mit Wasser – weg von kurzfristiger Ausbeutung, hin zu einer Nutzung, die ökologische Grenzen anerkennt. Dazu gehören effizientere Bewässerungssysteme, ein Umdenken in der Agrarpolitik, Investitionen in Wiederverwendung und Recycling sowie eine internationale Wasserpolitik, die Gerechtigkeit und langfristige Stabilität in den Mittelpunkt stellt.

Der Begriff „Wasserbankrott“ mag drastisch klingen. Doch gerade darin liegt seine Bedeutung. Er macht deutlich, dass es nicht um ein Problem der Zukunft geht, sondern um eine Realität der Gegenwart. Wasser ist endlich – und der Umgang damit entscheidet darüber, wie widerstandsfähig unsere Gesellschaften in den kommenden Jahrzehnten sein werden.

Quellen:

DER SPIEGEL: Wie die Menschheit aus der Wasser-Schuldenfalle kommen kann
Tagesschau: UN-Bericht warnt vor schwindenden Wasserreserven
United Nations University – UNU-INWEH (2026):
Madani, Kaveh (2026): Global Water Bankruptcy: Living Beyond Our Hydrological Means in the Post-Crisis Era.
United Nations University Institute for Water, Environment and Health (UNU-INWEH), Richmond Hill, Ontario, Canada.
DOI: 10.53328/INR26KAM001
ISBN: 978-92-808-6138-9

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