
Projektreise 2026 – Tag 4 On field
Bianca Weis
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28. Mai 2026

Tag 4 – Schwein gehabt
Der vierte Projekttag startet überraschend fruchtig. Nach Tagen ohne gibt es endlich wieder Ananas – dazu Melone und Omelett. Schwein gehabt. Fast pünktlich brechen wir kurz nach 9 Uhr nach Kitengeto auf.



Hier haben wir bislang noch kein Projekt umgesetzt, doch schnell wird klar: Hilfe wird dringend benötigt. Die Latrinen stehen zwar noch, sind jedoch bereits „voll“, und der Wassertank am Schulgebäude wurde nie in Betrieb genommen. Eine sichere Wasserquelle existiert nicht. Die Kinder greifen stattdessen auf unsichere Gewässer zurück. Besonders berührt uns die Schule aus einem anderen Grund: Es handelt sich um eine Integrationsschule. 23 Kinder mit „Special Needs“ besuchen hier den Unterricht. Das haben wir bislang an keiner anderen Schule gesehen. Viele Kinder mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen werden in Uganda oft gar nicht erst in die Schule gebracht. Umso schöner ist es zu sehen, dass man ihnen hier einen Platz gibt. Für die insgesamt 345 SchülerInnen hoffen wir sehr, bald eine Förderung zu erhalten, um hier helfen zu können.



In Kakindo laufen uns anschließend die Schweine direkt vor die Füße – die meisten davon noch ziemlich klein. Schwein gehabt. Hier haben wir im vergangenen Jahr eine Quellfassung realisiert. Rund 900 Menschen sowie eine Schule profitieren inzwischen davon. Außerdem konnten wir im Umkreis der Gemeinde bereits vier Projekte umsetzen, da diese Gegend besonders abgelegen ist und sichere Wasserquellen hier rar sind. Die Quellfassung selbst wurde vom VfL Osnabrück gespendet. Bei einem Heimspiel sammelten die Fans den kompletten Pfand der Becher – ganz pfand-tastisch. Die Gemeinde wirkt lebhaft und diskussionsfreudig. Viele Fragen werden gestellt, die dann entweder von anderen Dorfbewohnern oder von Johnsus beantwortet werden. Friday, ein Bewohner des Dorfes, richtet dankende Worte an uns. Viele kennen uns noch von unserem letzten Besuch im November 2024. Sofort werden wir gefragt, ob wir nicht auch noch die Schule besuchen möchten. Doch unser Zeitplan ist voll – und es warten noch viele Projekte auf uns.



In der prallen Mittagshitze steigen wir den langen Weg nach Ndolero Mugasara hinunter. Der Brunnen ist aktuell wenig besucht, weil die meisten Menschen in ihren Gärten arbeiten. Dennoch sind wir zufrieden mit dem Zustand der Anlage.



Weiter geht es nach Kasuuli. Hier erleben wir leider einen seltenen und traurigen Fall: Der Brunnen wurde offenbar übernutzt. Das Wasser läuft bereits seitlich aus der Pumpe heraus. Was genau defekt ist, kann Johnsus auf die Schnelle nicht sagen, doch klar ist: Hier muss dringend gehandelt werden. Den anwesenden Dorfbewohnern machen wir deutlich, dass wir mit der Situation nicht zufrieden sind. Johnsus stellt direkt den Kontakt zum Chairman her und wird dranbleiben, damit die Reparatur schnell erfolgt. Der extrem steile Weg zurück zum Auto entwickelt sich unfreiwillig zum kostenlosen Beine-und-Po-Workout. Schwein gehabt.
Mittlerweile ist es nach 14 Uhr und endlich Zeit für Lunch.




Frisch gestärkt fahren wir weiter nach Bucuuhya. An der Primary School stehen hier bereits seit 2022 die Latrinen – danke an Chrono24 – und seit vergangenem Jahr auch der Tank von Birgit, ihrer Familie und ihren Freunden. Lehrerin Josephine zeigt uns stolz die Vorrichtung, die sie am Tank angebracht haben, damit dieser nicht mutwillig beschädigt werden kann. Wir sind begeistert. Die SchülerInnen freuen sich sichtlich über unseren Besuch. Nur selten bekommen Kinder hier einen Muzungu – einen Weißen – zu Gesicht. Schwein gehabt. Von den über 800 Kindern fehlen derzeit allerdings rund 100, da viele ihren Eltern auf den Feldern helfen müssen. Die anwesenden Kinder begleiten uns neugierig bis zum Auto.

Danach geht es weiter nach Kihoro A. Der im Sommer 2025 eingeweihte Brunnen von Jills Papa versorgt inzwischen rund 500 Menschen mit sicherem Wasser. Die Freude darüber ist überall spürbar. Zwei Dinge müssen wir dennoch bemängeln: Zum einen wurde bislang kein Wasserkomitee gewählt, zum anderen ist der Weg hinunter zur Wasserstelle extrem steil. Bei starken Regenfällen könnte der Brunnen leicht zugeschüttet werden. Hier müssen dringend Drainagen und bessere Wege geschaffen werden – und das liegt in der Verantwortung der Gemeinde. Die Bewohner wollen dieser Verantwortung nachkommen. Sie möchten nie wieder die alte Wasserstelle nutzen müssen, die sie sich mit unzähligen Insekten teilen mussten.
Mit dem nächsten Beine-und-Po-Workout kämpfen wir uns zurück zum Auto und fahren weiter nach Bucuuhya A.


Hier steht ein inzwischen neun Jahre alter Brunnen, der noch immer zuverlässig seinen Dienst verrichtet. Die Dorfbewohner empfangen uns mit Tanz und Gesang. Selbst Johnsus taut plötzlich auf und tanzt auf dem Betonrand des Brunnens mit. Die Menschen lassen uns ausrichten, wie dankbar sie sind. Wir seien jederzeit willkommen – man bietet uns sogar ein Bett zur Übernachtung an. Denn es ist bereits kurz nach 18 Uhr. Das Wasserkomitee mit Chairman Boas, Secretary Alon, Caretaker Daniel und Treasurer Felicitas hat den Brunnen all die Jahre zuverlässig gewartet und repariert. Da inzwischen über 1.200 Menschen die Wasserstelle nutzen, bitten sie um weitere Unterstützung. Wir stimmen zu: Bei dieser Zahl wird eine zusätzliche Wasserquelle notwendig sein. Gerne möchten wir uns darum kümmern. Mit weiterem Tanz und Gesang werden wir schließlich in den Abend verabschiedet.


Auf dem Heimweg machen wir noch einen kurzen Stopp in Kyogera. Hier hatte die wundervolle Kristin während der Projektreise 2024 spontan die Initiative ergriffen und das Projekt übernommen. Der Brunnen versorgt heute sowohl die Gemeinde als auch eine Grundschule. Wegen einer „Introduction“ im Dorf treffen wir leider nur wenige Menschen an. Trotzdem sehen wir sofort, wie gut das Projekt umgesetzt wurde. Außerdem telefonieren wir mit dem Chairman, der uns seine große Dankbarkeit ausdrückt.
Mittlerweile erfüllt es uns auch ein wenig mit Stolz, dass wir bei inzwischen über 215 umgesetzten Projekten ganz selbstverständlich an weiteren Projektstandorten vorbeikommen und beinahe automatisch aus dem Augenwinkel prüfen, ob noch Wasser fließt oder – wie in Mituju – das Schuldach vollständig gedeckt ist und der Tiefbohrbrunnen zuverlässig genutzt wird. Zu sehen, wie viele Orte sich durch die gemeinsame Unterstützung nachhaltig verändert haben, ist schon etwas ganz Besonderes.
Zum Abendessen gibt es Samosas für Vanadis und Bianca sowie Chips & Omelett für Jill. Zum ersten Mal klappt eine unterschiedliche Bestellung problemlos.
Schwein gehabt.
Der Tag war erneut lang – und voller Eindrücke. Morgen geht es bereits in die letzte Runde. Noch viele Projekte stehen auf der Liste und wir sind gespannt, wie viele wir schaffen werden.
Bis morgen Bianca, Vanadis und Jill